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Melat und Jens unfassbar glücklich in Berlin

Was für ein Tag in Berlin: die besten Deutschen des Berlin-Marathons 2019, Melat Yisak Kejata und Jens Nerkamp (links) mit Sieger Kenenisa Bekele, (rechts), der in 2:01:41 den Weltrekord nur um zwei Sekunden verpasste, sowie Melats Ehemann Rafel.

Auf den Tag genau fast 38 Jahre ist es her, als Angelika Stephan als Kasselerin den Berlin Marathon gewann (2:47:24), der in jenem Jahr erstmals als Stadtlauf ausgetragen wurde.

Damals war Melat Yisak Kejeta noch gar nicht auf der Welt, doch jetzt sorgte sie beim Berlin Marathon 2019, 23 Minuten schneller als die damalige Siegerin, für einen gewaltigen Paukenschlag. Zwei Tage nach ihrem 27. Geburtstag lief die Athletin des Laufteam Kassel in 2:23:57 die drittschnellste je von einer deutschen Läuferin erzielten Zeit. Nur Rekordhalterin Irina Mikitenko (2:19:19, 2008) und Uta Pippig (2:21:45, auf der nicht bestenlistenfähigen Strecke in Boston) waren schneller.

Bei ihrem unglaublichen Marathon-Debüt beeindruckte Melat Kejeta alle - und erfüllte sich sich damit einen weiteren Traum: die souveräne Qualifikation für Deutschland für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio. Der erste Traum wurde vor einem halben Jahr erfüllt, als die gebürtige Äthiopierin die deutsche Staatsangehörigkeit erhielt. Damals, im Standesamt im Baunataler Rathaus, erzählte sie von ihrer "Mission Olympia".

In den Tagen vor dem Berlin-Marathon, gerade nach 70-tägigem Trainingslager mit Marathon-Weltstars in den Höhen von Eldoret (Kenia) zurückgekehrt, versetzte sie die Journalisten in Erstaunen, als sie von einer persönlichen Zielvorgabe von 2:22 Stunden sprach. Ganz knapp verfehlte Melat dieses Ziel zwar, aber die Fachwelt war von der sensationellen Premiere begeistert.

"Ja, ich wollte 2:22 laufen", sagte sie wenige Minuten nach ihrem Zieleinlauf mit ihrem unwiderstehlichen Lächeln in die TV-Kameras, das die Fans in Berlin verzauberte, "das hat nicht ganz geklappt, aber ich bin sehr stolz heute. Ich bin sehr zufrieden. Ich wollte zu Olympia und das habe ich jetzt geschafft." Die bescheidene Athletin dankte vor allem ihrem Trainer Winfried Aufenanger, ihrem Ehemann Rafel, ihrer Familie und den Freunden im Laufteam Kassel für die Unterstützung. Und dann schaute sie bereits auf den nächsten Traum: "Ich möchte einmal den Berlin-Marathon gewinnen wie die ganz großen Läuferinnen, dafür werde ich weiter trainieren." Der sechste Gesamtplatz beim Sieg von Ashete Bekere (Äthiopien, 2:20:14) war schon ein Fingerzeig für die Zukunft. Denn mit ihrer Zeit von 2:23:57 ist Melat Kejeta nun bereits die Nummer drei in Europa in diesem Jahr und führt nun die DLV-Jahresbestenliste über 10 km, Halbmarathon und Marathon an.

Jens Nerkamp bester Deutscher

Mit Jens Nerkamp stellt das Laufteam Kassel auch bei den Männern den besten Deutschen. Der 30-Jährige verbesserte sich um zweieinhalb Minuten auf 2:14:54 und lief als 37. im Klassement jubelnd ins Ziel. Damit ist er in der DLV-Jahresbestenliste nun auf Platz drei.

"Ich habe schon beim Aufstehen gemerkt, dass es heute gut laufen wird", berichtete Jens nach dem Rennen, "ich habe mich unfassbar locker gefühlt." Von Ermüdung keine Spur, mit dem kurzfristig als Tempobegleiter akquirierten Tobias Blum und mit Simon Stützel sowohl bei 10 km (31:59) und Halbmarathon (67:38) genau in der Pace. "Ich bin meinen eigenen Schnitt gelaufen", so Jens, der schnell wusste, dass es "heute einfach perfekt läuft." Als nach dem Ausstieg von Philipp Pflieger bei Kilometer 32 die Uhr am Begleitfahrzeug auf 2:14 umsprang, da war ihm klar, dass eine neue starke persönliche Bestzeit machbar war: "Ich bin dann einfach gefolgt, hatte keinerlei Probleme." Am Ende war nicht Pflieger, auf den sich die Medien konzentriert hatten, sondern der hoch motivierte in Kassel lebende Jens Nerkamp aus Garel der beste Deutsche.

"Ich bin einfach nur unfassbar glücklich und dass ich bester Deutscher und 37. bin und viele, die vorher mit deutlich besseren Zeiten hier angetreten sind, hinter mir gelassen habe, macht mich sehr stolz."

Nach der harten Vorbereitung - in der seine Laufkollegen vom Laufteam Kassel ihm bereits eine Zeit um 2:15 prognostiziert hatten, genoss er erstmal wieder ein Bier.

Freundin Bianca, seine Familie, Trainer Winfried Aufenanger und Ehefrau Brigitte, die Laufkameraden Johannes Wennmacher mit Ehefrau Julia und Tom Ring und Sponsor Lars Bergmann (IMMOVATION AG) hatten ihn und Melat Kejeta an der Strecke kräftig angefeuert.

Und das bis zu diesem Jahr Coverduo des EAM Kassel Marathon ist nun endgültig auch der Marathon-Welt bekannt.