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Eva und Sandra starten bei DM - Wirbel um Teilnehmerliste

Es war eine kurze "Flash-News" am letzten Montag auf dem Portal leichtathletik.de, auch offizielles Organ des Deutschen Leichtathletik-Verbandes: "Aufgrund der aktuell hohen Inzidenz-Werte in der Stadt Mainz greift die vorliegende Gesetzesgrundlage zur sogenannten "bundeseinheitlichen Notbremse“ bei der DM Langstrecke am kommenden Samstag, den 1. Mai 2021. Es dürfen demnach nur Athletinnen und Athleten an den Start gehen, die einem Bundes- oder Landeskader angehören beziehungsweise Berufssportler sind. Die entsprechenden Abfragen bei den Landesverbänden laufen. Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) rechnet damit, am Mittwoch eine aktualisierte Teilnehmerliste und gegebenenfalls einen neuen Zeitplan vorlegen zu können."

Eine Mitteilung, die für viel Wirbel und für viel Unmut sorgt. Denn danach wären die Athleten, die die Norm für die von Mittweida nach Mainz verlegte Deutsche Meisterschaft 10.000 m am Samstag, 1. Mai, erfüllt haben, aber keinem DLV-Kader angehören, außen vor. Betroffen hat dies auch Jens Nerkamp und Sandra Morchner vom Laufteam Kassel, während Vereinskollegin Eva Dieterich (U23-Kader) nicht davon berührt ist.

Vor allem die Art und Weise der Kommunikation stößt den Athleten mächtig auf. "Wir haben das am Montag durch die Flash-News erfahren beziehungsweise durch Storys der Athleten, die danach auf Instagram die Runde machten", berichtet Jens Nerkamp, "da ging in den sozialen Medien mächtig die Post ab." Sehr irritiert, so Nerkamp, seien die Sportler gewesen. "Der DLV hat sich mit dieser Form der Kommunikation sicher keine Freunde gemacht. Wir hatten eigentlich gehofft, dass das gerade in diesen besonderen Zeiten besser wird. Mit dieser Form der Bekanntgabe ist keinem geholfen", betont er. Denn: Die Athleten haben sich ja nicht nur mit Training zielgerichtet vorbereitet, sondern müssen auch aufgrund der aktuellen Lage erschwerte Anreise und Rahmenbedingungen planen. Die Kommunikation sei grauenhaft, ist den vielen Posts der Athleten in den Social Medias zu entnehmen. Eine Meinungsbildung, die der 31-Jährige absolut teilt: "Wir haben alle vollstes Verständnis für die Bundesnotbremse, aber wir fühlen uns schon ziemlich veräppelt."

Das beträfe vor allem die Athleten in der "zweiten Reihe", die der U23 entwachsen sind und die sich anschließend im "Niemandsland" befinden. "Hier lässt man Talente versauern", so Nerkamp, der sich ebenso wie viele andere Läuferinnen und Läufer eine breitere Förderung für diese Gruppe wünscht.

"Wir haben", so sagt er, "wohl auch nicht die große Lobby. Aber Fakt ist, dass viel offener kommuniziert werden muss, wer aus der zweiten Reihe starten darf." Es selbst sei zwar kein Profisportler, "aber was ich bisher in meinen Sport investiert habe, umfasst die meiste Zeit meines Lebens." Und so wie ihm geht es vielen seiner Lauf-Kollegen.

Verständlich also, dass der Unmut über das Vorgehen in der Szene nicht zum ersten Mal groß ist. Inzwischen ist die Situation etwas entschärft, denn in der aktuellen Teilnehmerliste sind nun auch Athleten aus "Wettkampfkadern" der Landesverbände vertreten. Die Landesverbände sind zuständig für die Meldungen zur Deutschen Meisterschaft. Wahrscheinlich ist der Druck einiger Verbände hier nach der DLV-Entscheidung groß geworden. Auch Winfried Aufenanger, Sportlicher Leiter und Trainer des Laufteam Kassel, hat in den letzten Tagen viele Telefonate mit dem DLV und dem Hessischen Leichtathletik-Verband geführt. "Der DLV hat diese so genannten Wettkampfkader-Athleten wohl nun auch für die DM akzeptiert", berichtet er.

Jens Nerkamp taucht in der Teilnehmerliste noch auf, verzichtet aber auf einen Start. Er hatte schon vor und nach seinem Start beim Lauf in Dresden Probleme mit dem Iliosakralgelenk in der Hüfte und fühlt sich für die DM nicht fit genug, nachdem er zuletzt vor allem Muskulatur stärkende Übungen gemacht hat. "Wenn ich starte, dann möchte ich auch zumindest die Normleistung (30:30) nochmal laufen, dafür reicht es momentan nicht", stellt er dar. Dass er trotz des Startverzichtes seine klare Meinung zum Vorgehen des DLV hat, ist dennoch verständlich.

In Mainz werden Sandra Morchner und Eva Dieterich das Laufteam Kassel vertreten. Die kürzlich 50 Jahre gewordene Sylterin Sandra Morchner hat sich nach erstem Zögern nun doch für einen Start entschieden und will im Feld der deutlich jüngeren Konkurrenz eine gute Rolle spielen.

Die 21-jährige Eva Dieterich hat die Norm für die U23-Europameisterschaft bereits unterboten (33:51) und ist damit aktuell die zweitbeste deutsche U23-Läuferin und auf Platz sieben über 10 km. Diese Leistung will die Jura-Studentin in Mainz nun bestätigen.