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Rund 50 Fans empfingen die Marathon-Läuferin am Montagnachmittag am Bahnhof Wilhelmshöhe in Kassel.
Während knapp hundert Athletinnen und Athleten des deutschen Olympia-Teams sich nach ihrer Rückkehr aus Tokio am Montag im Frankfurter Römer feiern ließen, saß sie schon im Zug nach Kassel: Melat Kejeta, die beim Marathon am vergangenen Samstag den sechsten Platz erreichte, wollte lieber so schnell wie möglich heim.
Der herzliche Empfang, den das Laufteam Kassel spontan im Bahnhof Wilhelmshöhe organisiert hatte, kam für die 28-Jährige unerwartet. Rund 50 Fans, darunter auch ihr Trainer Winfried Aufenanger, beglückwünschten die Athletin zu ihrer hervorragenden Leistung.
Kejeta hatte in Sapporo mit in 2:29:16 Stunden die beste Platzierung einer deutschen Läuferin seit dem vierten Rang von Katrin Dörre-Heinig 1996 in Atlanta erreicht. Bis kurz nach Kilometer 30 hatte Kejeta in der Spitzengruppe mitgemischt, bis die Kenianerinnen das Tempo verschärften. Am Ende war sie nur 116 Sekunden langsamer als die Siegerin Peres Jepchirchir aus Kenia.
Es war kein einfaches Rennen: Die Temperatur betrug in Sapporo bereits morgens um 6 Uhr 29 Grad, bei 80 Prozent Luftfeuchtigkeit: „Ich war etwas nervös und besorgt wegen der Hitze und hatte Magenprobleme“, sagte Kejeta nach dem Rennen im ZDF-Interview. Trotzdem habe sie versucht, alles zu geben und angesichts der schwierigen Bedingungen sei sie mit dem Ergebnis „sehr zufrieden“: „Es war seit meiner Kindheit mein Traum, bei Olympia zu starten, jetzt hat es geklappt“, so die gebürtige Äthiopierin, die seit März 2019 die deutsche Staatsbürgerschaft hat.
„Wir freuen uns sehr mit Melat“, sagt ihr Trainer Winfried Aufenanger. „Das war eine großartige Leistung. Ich bin stolz auf Melat. Bei ihr hat man den absoluten Willen zur Leistung erkannt, trotz erheblicher körperlicher Probleme, hat sie nie aufgehört an sich zu glauben. Das Laufteam Kassel wird sie auch weiterhin stark unterstützen. Die nächsten internationalen Ziele 2022, mit der EM in Deutschland und der WM in der USA stehen bevor. Jetzt soll Melat erst einmal ihre tolle Leistung genießen und sich dann auch gut regenerieren“.