Laufteam Kassel

 

Mein Weg zum ersten Marathon

Hamburg Marathon

Ich habe es geschafft. Jetzt bin ich ein „Marathoni“.

Viele haben mich aufgefordert, einen Bericht über meinen ersten Marathon zu schreiben, aber was interessiert es die Läufer eines Vereines wie das Laufteam Kassel, das der alte dicke Mann einen Marathon gelaufen ist? Nachdem Wolfgang mich ständig damit genervt hat und dann auch noch Jens einen Bericht angefordert hat, schreibe ich ein paar Zeilen über „meinen Weg“ zum ersten Marathon.

Vor gut 2 Jahren war ich, wie so oft, mit meiner Tochter als Radbegleitung bei ihren langen Dauerläufen dabei. Und bei einem der vielen Gespräche hatte der Vater eine zu große Klappe. Halbmarathon laufen im September in Kassel - “klar pack ich das“ - na ja, jetzt hatte ich den Salat. 120 kg auf den Rippen, Kettenraucher, Knie kaputt und eigentlich hätte ich einfach mal das Hirn einschalten müssen, bevor ich die Klappe aufreiße. Aber kneifen und versagen gilt dann einfach nicht. Nicht nur quatschen, sondern auch machen.

So fing ich an. Die ersten Läufe waren eine Qual. Keine 30 Minuten am Stück geschafft. Schmerzen ohne Ende, aber es waren ja gut 5 Monate Zeit.

Irgendwann hatte dann Wolfgang Erbarmen mit mir und er nahm mich unter seine Fittiche. Und siehe da, es wurde besser. Und im September habe ich es geschafft, 21 km durchzulaufen. Und ich war drin im Laufteam bei den Oldies und es wurde immer besser. Wie viele Stunden ist Wolfgang mit mir gelaufen? Selbst sonntags morgens bei -17 Grad sagt der alte Hund einfach nicht ab.

Irgendwann im letzten Herbst dachte ich mir so Marathon wäre doch auch mal ne Herausforderung. Wieder zu schnell geredet, bevor ich nachgedacht habe, aber angemeldet ist angemeldet. Und es machte sogar Spaß. Lange Distanzen zu laufen. Aber nachdem ich meinen ersten 30 km Lauf gemacht habe, wusste ich, dass das total dämlich war. Böse Lehrgeld gezahlt. Aber viel gelernt. Die Vorbereitung lief super. Beim kurzen Trainingslauf Ende März in Dingelstädt habe ich meine 5 km Bestzeit sogar um 30 Sekunden verbessert. Da war ich total motiviert und heiß. 4 Tage später lag ich um - Corona. Halbmarathon in Berlin Anfang April fällt aus. Und da hatte ich auch keine Hoffnung das es 3 Wochen später mit dem Marathon in Hamburg was werden konnte. 10 Tage vor Hamburg der erste kurze Lauf. Luft und Puls zwar ok, aber Mann, oh Mann waren die Beine kraftlos. Donnerstag noch mal Training. 10 km durch die Aue - auch nicht gut - aber egal. Du bist gesund und läufst. Ankommen ist das Ziel. Nicht Quatschen, sonder einfach machen.

Also machten wir uns Samstag auf den Weg nach Hamburg. Die Strecke bin ich zwar nicht noch mal abgelaufen, aber die Messe und das drum herum war schon der Hammer.

Sonntagmorgen der Start. Nervös war ich eigentlich nicht, aber „gut gefühlt“ war auch was anderes. Die ersten 10 km waren auch die Hölle. Beine schwer, Kreislauf mies. Aber trotzdem war es geil an den Tausenden an Zuschauern vorbeizulaufen. Also langsam machen und jede Getränkestation in Ruhe und ausgiebig mitnehmen.

Mit jedem Kilometer wurde es besser.

Während die ersten Läufer schon am Streckenrand lagen, ging es aufwärts mit mir. Ab Kilometer 20 war mir klar, dass ich das heute packe. Nur nicht zu schnell laufen, diszipliniert Trinken und gleichmäßig langsam laufen. 15 Kilometer vor Schluss waren wir zu zweit und eisern haben wir uns geschworen, dass wir gemeinsam ins Ziel laufen. Also haben wir uns gegenseitig solange gepusht und vollgequatscht, dass wir gar nicht merkten, dass das Ziel immer näherkam. Selbst die berühmte Schwelle 35 km war überhaupt kein Problem. Umdrehen wäre ja auch doof gewesen.

Am Ende waren 2 alte dicke Männer glücklich im Ziel. Wir hatten es geschafft. Zusammen!

Was das Erlebnis des Marathons für mich noch intensiver gemacht hat.

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Zum Schluss noch ein paar Worte.

Danke an alle, die mich anschließend gefeiert und mir gratuliert haben. Danke Wolfgang! Ohne dich wäre ich nie zum Läufer geworden und hätte das auch nie geschafft.

Befremdlich fand ich schon ein wenig, dass es einige doch mehr interessiert hat, wie schnell ich war und sogar meine Zwischenzeiten analysiert haben. Ich weiß gar nicht genau, wie schnell ich wirklich war. Ich glaube so 5:20 h oder so ähnlich. Interessiert mich auch gar nicht. Hauptsache, der Besenwagen war nicht vor mir. Es geht beim Laufen nicht nur oder immer nur um Bestzeiten und Platzierungen. „Lauf für dein Leben“, das Motto des Marathon - genau das trifft es bei mir auf den Punkt. Spaß haben, gesund und fit werden und ich habe sogar beim Laufen richtig tolle Leute kennengelernt, die ich mittlerweile auch Freunde nenne.

Es war ein tolles Erlebnis in einer tollen Stadt. Ich glaube, das mache ich wieder oder etwa wieder zu spät nachgedacht? ;-)

 

Mit laufendem Gruß

 

Patrick